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Preiserhöhung: Strom- und Gasanbieter müssen exakt informieren

Stand:

Versorger müssen Preiserhöhungen transparent mitteilen und Preisgarantien erfüllen. Die Verbraucherzentrale erklärt, was Sie tun können, wenn Ihr Anbieter das nicht tut.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Marktwächter verklagen voxenergie wegen einer unzulässigen Preiserhöhung bei Sonderkunden.
  • Energieanbieter dürfen Preise nicht ohne rechtliche Grundlage erhöhen.
  • Sie können bei jeder Preiserhöhung Ihres Versorgers fristlos kündigen.
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Kunden haben Recht auf transparente Information über Preiserhöhung

Erhöht ein Energieversorger den Preis, muss er seinen Kunden centgenau erklären, welche Kostenbestandteile sich wie verändert haben. Diese Vorschrift gilt für Kunden in der sogenannten Grundversorgung. Aber auch Kunden mit Sonderverträgen sollten das gleiche Recht haben und nachvollziehen können, welche Preisbestandteile für die Erhöhung verantwortlich sind, fordert der Marktwächter Energie.

Die Berliner Verbraucherschützer haben den Gasanbieter voxenergie nun verklagt, weil dieser Kunden mit einem Sondervertrag nicht korrekt über Preiserhöhungen informierte.

Bereits wenige Monate nach Vertragsabschluss erhielten die betroffenen Kunden von voxenergie ein Preiserhöhungsschreiben. Begründet wurde die Preiserhöhung vor allem mit höheren Beschaffungskosten. Dabei hatten die Verbraucher einen Gasvertrag mit eingeschränkter Preisgarantie abgeschlossen. Diese schloss eine Preiserhöhung wegen höherer Beschaffungskosten zu diesem Zeitpunkt.

Aus Sicht der Marktwächter hat voxenergie damit gleich einen doppelten Rechtsbruch begangen: die Preisbestandteile vor und nach der Erhöhung waren nicht nachvollziehbar und die Firma verstieß gegen die Preisgarantie. Die Marktwächterexperten beim Verbraucherzentrale Bundesverband wollen mit ihrer Klage auch erreichen, dass Verbraucher einfach und verständlich über alle Preisbestandteile informiert werden- egal ob in der Grundversorgung oder als Sonderkunde.

Was bedeutet "Grundversorgung"?

Jeder Haushalt hat ein Recht auf Energieversorgung durch den sogenannten Grundversorger. Das ist der Energieanbieter, der die meisten Kunden in Ihrem Netzgebiet mit Strom oder Gas beliefert. Sobald Sie z.B. in einer neuen Wohnung das Licht einschalten, kommt automatisch ein Vertrag mit diesem Grundversorger zustande.

Was ist der Unterschied zu "Sonderkunden"?

Einen Sondervertrag hat jeder, der nicht in der Grundversorgung ist. Sie schließen hierfür aktiv einen neuen Vertrag mit einem Energielieferanten Ihrer Wahl. Das kann jeder Anbieter sein, der in Ihrem Postleitzahlgebiet Strom oder Gas liefert.

Als "Sonderkunde" haben Sie dann einen sogenannten wettbewerblichen Energieversorgungsvertrag, früher auch "Sondervertrag" genannt.

Welche Konsequenzen hat eine Preiserhöhung?

Strom- und Gasanbieter dürfen Preise nicht ohne rechtliche Grundlage erhöhen. Sind Sie in der Grundversorgung, gilt die Strom GVV oder die Gas GVV, also die Verordnung der Strom- oder Gasgrundversorgung. Bei Sonderkunden ist entscheidend, ob der Vertrag eine Preisanpassungsklausel oder die Möglichkeit einer ergänzenden Vertragsauslegung enthält.

Haben Sie einen Sondervertrag, sollten Sie immer prüfen, ob Ihr Vertrag die Erhöhung überhaupt zulässt. Auch versuchen manche Energieanbieter, Informationen über Preiserhöhungen als allgemeine Briefe zu tarnen oder erwähnen den neuen Preis nur beiläufig. Wenn Sie Fragen zu so einem Schreiben haben, helfen Ihnen die Energie-Experten Ihrer Verbraucherzentrale.

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Welche Rechte habe ich als Kunde bei einer Preiserhöhung?

Sie können der Preiserhöhung widersprechen und Ihre Gasrechnung unter Vorbehalt  zahlen. Zudem haben Sie bei jeder Preiserhöhung das Recht auf Sonderkündigung. Sie können den Vertrag zu dem Zeitpunkt beenden, an dem die Preiserhöhung in Kraft tritt. Dies sollten Sie Ihrem Anbieter am besten schriftlich und nachweislich (als Fax mit Sendebericht oder per Einschreiben) mitteilen. Hierfür können Sie den kostenlosen Musterbrief der Verbraucherzentrale nutzen. Alles über Preiserhöhungen von Strom- und Gasanbietern finden Sie in diesem Artikel.

Gefördert durch:Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen