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Fluggesellschaft geht Pleite: Diese Rechte haben Fluggäste

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Geht eine Fluggesellschaft Pleite und muss Insolvenz beantragen, hat dies weitreichende Konsequenzen für Fluggäste. Dabei haben Pauschal- und Individualreisende unterschiedliche Rechte. Was das Aus einer Airline für Kunden bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Muss eine Airline Insolvenz beantragen, unterscheiden sich die Konsequenzen bei Pauschal- und Individualreisenden. 
  • Fällt Ihr einzeln gebuchter Flug aus, können Sie nur auf - wenig realistische - Erstattungen im Insolvenzverfahren hoffen.
  • Pauschalreisende haben bei Flugausfällen die besseren Karten: Der Reiseveranstalter muss dann für eine Ersatzbeförderung sorgen.
  • Die Verbraucherzentralen fordern Insolvenzsicherungen auch für direkt gebuchte Flugreisen.
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Grundsätzlich gilt: Wen eine Fluggesellschaft nicht an sein Ziel bringt, der hat nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche auf Erstattung des Flugpreises oder anderwertige Beförderung, gegebenenfalls Betreuungs- und Ausgleichsleistungen. Das gilt bei Verspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung. Bei einer Insolvenz der Airline können diese Zahlungsansprüche beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Wer Flüge gebucht hat, die eine insolvente Airline nicht mehr ausführt, muss sich selbst um Ersatz bemühen.

Es ist aber ungewiss, ob die verlangten Zahlungen tatsächlich geleistet werden. Denn die Kunden einer Fluggesellschaft rangieren in der Regel weit hinten in der Kette der Gläubiger wie Banken oder Arbeitnehmer, deren Forderungen aus der Insolvenzmasse zunächst bedient werden.

Reisebüros und Online-Vermittler sind Ansprechpartner

Passagiere, die ihre Flugtickets über ein Reisebüro oder ein Online-Portal gebucht haben, haben ebenfalls Ansprüche direkt gegen die Airline. Vermittler haften nicht selbst. Kunden sollten sich aber ans Reisebüro oder das Online-Portal wenden – sie können ihre Ticketpreise möglicherweise noch zurückbekommen, sofern das Geld noch nicht an die Fluggesellschaft weitergeleitet wurde.

Pauschalreisende sind besser gestellt

Auf Soforthilfe im Insolvenzfall können hingegen Pauschalurlauber vertrauen: Der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, muss für Ersatz sorgen, wenn der Ferienflieger nicht abhebt.

Stehen noch Restzahlungen aus, nehmen Sie die auf jeden Fall vor. Pauschalurlauber müssen sich keine Sorgen machen, denn der Veranstalter muss sich bei Flugausfall um einen Ersatzflug kümmern. Die Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters, für die der Sicherungsschein als Nachweis dient, schützt Sie aber nur vor einer Insolvenz des Reiseveranstalters, nicht eines Leistungsträgers wie der Airline. Dieses Risiko trägt der Veranstalter allein - und muss bei Flugausfall für Sie tätig werden.

Beachten Sie: Nicht jede Reise, die im Reisebüro gebucht worden ist, ist eine Pauschalreise. Bei so genannten verbundenen Reiseleistungen fehlt 
die Veranstalterhafung.

Mehr zu den genau geregelten Fluggastrechten haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

Schutz für alle Flugreisenden ist überfällig

Damit Kunden, die ihre Flüge selbst gebucht haben, nicht auf den Kosten sitzen bleiben, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine vorgeschriebene Insolvenzversicherung. "Airlines sollten grundsätzlich gesetzlich verpflichtet werden, eine Insolvenzversicherung zugunsten der vorausbezahlten Kundengelder abzuschließen, wie es bereits bei Pauschalreiseanbietern seit über zwanzig Jahren der Fall ist."

Gefördert durch:Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen