Glossar Klimafolgen- und Grundstücksentwässerung
Hier finden Sie die wichtigsten Begriffe rund um Haus- und Grundstücksentwässerung einfach erklärt.
A
Abwasser
Nach häuslichem, gewerblichem oder industriellem Gebrauch verändertes, insbesondere verunreinigtes Wasser sowie das von befestigten Flächen abfließende Niederschlagswasser sowie sonstiges Wasser, z.B. Grundwasser, welches durch bauliche Schäden in die Kanalisation gelangt.
Abwasseranlage
Einrichtung zur Abwassersammlung, Abwasserableitung, Abwasserbehandlung oder Abwasserbeseitigung (Definition nach DIN 4045;1985).
Abwasserleitung
Rohr, das dem Abtransport von Schmutz- und/oder Niederschlagswasser dient und von privaten Grundstückseigentümer:innen betrieben wird.
Abwassersatzung
Siehe Entwässerungssatzung.
D
DIN 1986-30
Die DIN 1986 Teil 30 enthält Normen, die die Pflicht zur Dichtheitsprüfung für bestehende Abwasserleitungen bei Gebäuden und Grundstücken beschreiben. In der Regel ist eine optische Prüfung vom Hausanschluss ausreichend und zulässig. Die DIN 1986 Teil 30 regelt auch die Pflichten zur Dokumentation der Dichtheitsprüfung. In dieser DIN-Norm ist auch die vereinfachte Dichtheitsprüfung mit Wasserstand geregelt.
DIN EN 1610
Die DIN EN 1610 ist Grundlage für die Dichtheitsprüfung der Abwasserkanäle für neue oder wesentlich veränderte Abwasserleitungen. Gemäß DIN EN 1610 muss eine neu erstellte Abwasserleitung und zugehörige Elemente vor einer Inbetriebnahme durch eine Druckprüfung mit Wasser oder mit Luft auf Dichtheit geprüft werden.
Die DIN EN 1610 gilt auch für bestehende Abwasserleitungen, wenn diese sich in der Wasserschutzzone II befinden.
DIN-Normen
Vom Deutschen Institut für Normung e.V. aufgestellte und mit dem Zeichen DIN herausgegebene Normen. DIN-Normen sind keine von Behörden oder Körperschaften öffentlichen Rechts erlassene Verordnungen, sondern ihrem Charakter nach am Stand von Wissenschaft und Technik erarbeitete Empfehlungen, deren Anwendung der Entscheidung des/der Einzelnen unterliegt.
Dränage
Dränage umfasst die künstliche, unterirdische Entwässerung von Gelände mit hohem Grundwasserstand durch im Boden verlegte, durchlässige Rohrleitungen.
DWA: Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft
Die DWA ist eine wirtschaftlich und politisch unabhängige Vereinigung für übergreifende Wasserfragen. Sie setzt sich für eine nachhaltige Wasser- und Abfallwirtschaft und für die Förderung von Forschung und Entwicklung ein.
Schwerpunktmäßig befasst sich die DWA mit der Erstellung eines technischen Regelwerks- sowie der Mitarbeit bei der Erarbeitung fachspezifischer Normen auf nationaler und internationaler Ebene. Sie befasst sich dabei nicht nur mit technisch-naturwissenschaftlichen Themen, sondern auch mit wirtschaftlichen und rechtlichen Belangen des Umwelt- und Gewässerschutzes.
E
Einsteigeschacht
Bauwerk, das den Zugang durch Personal zur Abwasserleitung zu Unterhaltungs- und Kontrollzwecken ermöglicht.
Entwässerungsanlage
Anlage zum Sammeln und Ableiten von Abwasser.
Entwässerungssatzung
Ein anderer Ausdruck ist "Abwassersatzung". Sie bezeichnet ein Regelwerk zwischen Stadt/Gemeinde und Anwohnern:innen, welches sich mit Fragen der Benutzung der öffentlichen Kanalisation und Fragen zu Abwassergebühren befasst.
Erneuerung
Neben Reparatur und Renovierung eine der drei Arten einer Sanierung. Maßnahme zur Herstellung neuer Abwasserleitungen und -kanäle in der bisherigen oder einer anderen Linienführung, wobei die neuen Anlagen die Funktion der ursprünglichen Abwasserleitungen und -kanäle einbeziehen.
Erneuert werden kann z.B. in einer offenen Baugrube, indem die alte Leitung durch einen Bagger freigelegt und durch neue ersetzt oder die neue Leitung unter der Kellerdecke abgehängt und die alte Leitung verdämmt wird (Definition nach DIN EN 752-5:1995).
F
Fallleitung
Senkrecht verlaufende Abwasserleitung, die innen oder außen liegen kann und häufig über mehrere Geschosse des Hauses verläuft. Durch die Fallleitung wird Abwasser oder Niederschlagswasser der Grundleitung zugeführt.
Fehlanschluss
Fehlanschluss ist der entgegen der Entwässerungssatzung satzungswidrige Anschluss eines Schmutzwasseranschlusskanals an den öffentlichen Niederschlagswasserkanal, der Anschluss eines Niederschlagswasseranschlusskanals an den öffentlichen Schmutzwasserkanal sowie der Anschluss von Dränagewasser oder Fremdwasser an die öffentliche Abwasseranlage.
Fremdwasser
Bezeichnet im allgemeinen Wasser, welches nicht in die öffentliche Kanalisation gehört, aber dennoch ungewollt durch diese abgeleitet wird. Dabei kann es sich z.B. um Grundwasser oder Niederschlagswasser handeln, welches wegen seiner Qualität keiner Abwasserbehandlung in einer Kläranlage bedarf und welches aufgrund seiner Quantität die Kläranlagen unnötig belastet.
Fremdwasserschwerpunktgebiet
Gebiet im Bereich einer Stadt bzw. Gemeinde, in dem verstärkt Fremdwasser in der öffentlichen Kanalisation auftritt.
G
Grabenlose Bauweise
Die Abwasseranlage wird mithilfe eines Verfahrens saniert, bei dem die Errichtung einer offenen Baugrube nicht erforderlich ist, weil die Sanierung unterirdisch bzw. von innen erfolgt.
Beispiel eines grabenlosen Verfahrens ist das Liningverfahren.
Grundleitung
Grundleitungen sind die auf den Grundstücken im Erdreich oder in der Grundplatte unzugänglich verlegten Leitungen, die das Abwasser dem Anschlusskanal zuführen (Definition nach DIN 1986-100). Die Grundleitung ist Bestandteil des Hausanschlusses.
Grundstücksanschlussleitung
Sind die Leitungen zwischen der öffentlichen Kanalisation und der Grundstücksgrenze bzw. des ersten Einsteigeschachts auf dem Grundstück. Grundleitungen und Grundstücksanschlussleitung innerhalb des privaten Grundstücks sind vom Grundstückseigentümer:innen instand zu halten.
Für die Grundstücksanschlussleitung innerhalb der öffentlichen Straße gibt es in Abhängigkeit von der jeweiligen Entwässerungssatzung einer Stadt bzw. Gemeinde unterschiedliche Regelungen: Entweder sind hierfür die Grundstückseigentümer:innen zuständig oder die Stadt bzw. Gemeinde.
Grundwasser
Grundwasser ist die Ansammlung von unterirdischem Wasser im Boden, das durch Versickern von Niederschlagswasser oder teilweise aus Seen und Flüssen in den Erdboden gelangt.
H
Hausakte
Darunter sind die Baupläne eines bestehenden Gebäudes zu verstehen. Die Hausakte enthält den sog. Gebäudepass, der Aufschluss über Ausstattung und Ausbau eines Gebäudes gibt.
Hausanschluss
Das im und am Haus anfallende Abwasser wird über den Hausanschluss zum öffentlichen Kanal abgeleitet. Der Hausanschluss besteht in der Regel aus der Grundleitung und der Grundstücksanschlussleitung.
Häusliches Abwasser
Schmutzwasser, wie es üblicherweise im Haushalt anfällt: z.B. Wasser aus Küchen- und Waschmaschinen, sanitären Einrichtungen und Toiletten.
I
IKT
Institut für unterirdische Infrastruktur. Das IKT ist ein neutrales, unabhängiges und gemeinnütziges Institut. Es arbeitet praxis- und anwendungsorientiert an Fragen des unterirdischen Leitungsbaus und führt dazu Forschungsprojekte, Prüfungen, Warentests und Beratungen durch. Schwerpunkt ist die Kanalisation.
Inspektionsöffnung
Öffnung mit abnehmbarem Deckel, angebracht auf einer Abwasserleitung oder einem Abwasserkanal. Die Zugänglichkeit ist nur von der Oberfläche aus erlaubt, gestattet jedoch nicht den Einstieg von Personen. Inspektionsöffnungen erlauben nur das Einbringen von Reinigungsgerät, Inspektions- und Prüfausrüstung (Definition nach DIN EN 752-1;1995).
K
Kanalfernsehuntersuchung
Kanaluntersuchungsmethode im Rahmen der optischen Inspektion, bei der die Abwasserleitungen bzw. der Kanal mit einer speziellen Kamera befahren werden. Anerkannte Sachkundige überwachen dabei zeitgleich über einen Fernseher die Befahrung.
Kanalhaie
Unter Kanalhaien versteht man unseriöse Firmen, die die Zustands- und Funktionsprüfung zu Konditionen anbieten, die für Grundstückseigentümer:innen nachteilig sind.
In der Regel wird die Prüfung selbst sehr günstig angeboten. Nach der günstigen Prüfung wird versucht, Grundstückseigentümer:innen zum Abschluss eines überteuerten Sanierungsvertrages zu überreden. Oder die Prüfung wird von einer Firma durchgeführt, bei der kein:e einzige:r Mitarbeiter:in anerkannter Sachkundige:r ist.
Kommunalagentur NRW GmbH
Die Kommunalagentur ist ein neutraler Dienstleister für Städte und Gemeinden und berät diese zu kommunalen Fragestellungen und spezifischen Problemen, insbesondere in wirtschaftlichen und umwelttechnischen Bereichen.
L
LANUV
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.
Liningverfahren
Beim Liningverfahren wird ein kunstharzgetränkter Gewebeschlauch in das alte Rohr eingezogen. Dieser härtet anschließend durch Wärme oder UV-Licht zu einem neuen Rohr aus. Damit kann die Leitung renoviert oder eine einzelne Schadstellen repariert werden.
LWG NRW
Das Landeswassergesetz vom 25.06.1995 betrifft Gewässer in NRW und dient der Umsetzung des WHG (Wasserhaushaltsgesetz) in NRW.
M
Mischsystem
Beim Mischsystem werden Niederschlagswasser und Schmutzwasser zusammen in einer Leitung in den öffentlichen Kanal abgeleitet.
MUNV
Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.
N
Niederschlagswasser
Niederschlagswasser ist Wasser inklusive seiner Verunreinigungen aus Wolken, Nebel, Dunst oder wasserdampfhaltiger Luft (z.B. Regen, Schnee, Eisregen, Tau, Kondenswasser).
NRW.BANK
Die NRW.BANK steht für die Förderung von Fortschritt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen - hin zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen, digital und strukturell modernisierten Wirtschaft und Gesellschaft. Im Auftrag des Eigentümers, dem Land NRW, unterstützt sie die Menschen, Unternehmen und Kommunen in NRW. Sie setzt ein breites Spektrum an Förderinstrumenten ein: von zinsgünstigen Förderdarlehen über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Beratungsangeboten. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen in NRW zusammen und berücksichtigt dabei auch Förderangebote von Bund, Land und Europäischer Union.
O
Offene Bauweise / Baugrube
Die Abwasserleitung bzw. der Kanal wird ausgegraben und in einer offenen Baugrube saniert.
Öffentliche Kanalisation
Große Abwasserleitung, die durch die Stadt bzw. Gemeinde betrieben wird.
Optische Inspektion
Inaugenscheinnahme der Abwasseranlage oder des Kanals, die mittels einer Begehung, einer Spiegelung oder einer Kanalfernsehuntersuchung erfolgen kann.
P
Prüfbescheinigung
Bescheinigung über das Ergebnis der Prüfung des Zustands und der Funktionsfähigkeit privater Abwasserleitungen und zugehöriger Schächte gemäß Anlage 2 zur SüwVO Abw.
R
Renovierung
Neben Reparatur und Erneuerung eine der drei Arten einer Sanierung. Maßnahme zur Verbesserung der aktuellen Funktionsfähigkeit von Abwasserleitungen und -kanälen unter Einbeziehung ihrer ursprünglichen Substanz. Typisches Verfahren der Renovierung ist das Liningverfahren (Definition nach DIN EN 752-5;1995).
Reparatur
Neben Renovierung und Erneuerung eine der drei Arten einer Sanierung. Maßnahme zur Behebung örtlich begrenzter Schäden. Bei der Reparatur werden Einzelschäden saniert, z.B. Risse und Löcher.
Rückstau
Bei schweren Niederschlägen steigt der Wasserpegel über die so genannte Rückstauebene, womit i.d.R. die Höhe der Straßenoberkante gemeint ist, auf der das Wasser ungehindert abfließen kann. Dadurch werden tieferliegende Räume im Souterrain oder Keller schnell geflutet.
S
Sachkundige
Sind Personen, die in § 13 SüwVO Abw NRW aufgeführten, bestimmten Berufszweigen angehören und die durch Teilnahme an einer Schulung einer speziellen Schulungsinstitution die Erlangung der besonderen Kenntnisse für die Durchführung von Prüfungen des Zustands und der Funktionsfähigkeit nachweisen können.
Sanierung
Bezeichnet die Erneuerung, die Reparatur oder die Renovierung der Abwasserleitungen.
Schaden
Unter Schaden ist i.d.R. ein baulicher Mangel an der Abwasserleitung zu verstehen, wie z.B. Risse und Löcher.
Schmutzwasser
Durch Gebrauch verändertes Wasser und in Entwässerungssysteme eingeleitetes Wasser (Definition nach DIN EN 752-1;1995).
SüwVO Abw NRW
Rechtsverordnung vom 17.10.2013, zuletzt geändert zum 13.08.2020, in der Voraussetzungen und Durchführungsmodalitäten der Zustands- und Funktionsprüfung privater Abwasserleitungen in NRW geregelt sind.
T
Trennsystem
Beim Trennsystem werden Niederschlagswasser und Schmutzwasser über getrennte Leitungen in den öffentlichen Kanal abgeleitet.
W
Wasserschutzgebiet
Wasserschutzgebiete sind Gebiete, in denen zum Schutz von Gewässern vor Verschmutzung oder ähnlich negativen Beeinträchtigungen bestimmte Ge- und Verbote gelten.
Wesentliche Änderung
Eine wesentliche Änderung der Abwasserleitung liegt vor, wenn diese um mehr als 50 Prozent saniert wurde (Definition gemäß DIN 1986-30).
WHG
Wasserhaushaltsgesetz des Bundes vom 31.07.2009, beinhaltet Regelungen über Schutz und Nutzung von Oberflächen- und Grundwasser sowie andere Vorschriften zum Thema Wasser (wie etwa den Hochwasserschutz).
Z
Zukunftsfähige und nachhaltige Abwasserbeseitigung NRW (ZunA NRW)
Spezielles Förderprogramm des Landes NRW, das Zuwendungen für Maßnahmen im Bereich der Abwasserbeseitigung regelt. Finanziert Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der abwassertechnischen Infrastruktur.
