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Technische Infos

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Alle privaten Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten müssen geprüft werden.
  • Je nach Lage und Alter der Abwasserrohre kommen unterschiedliche Prüfmethoden zur Anwendung.
  • Danach entscheidet sich, welches der drei Prüfverfahren angewendet werden muss.
Ein Mensch wird in einem Kanalschacht abgeseilt
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Erfahren Sie hier mehr über die technischen Hintergründe:

Diese Leitungen müssen geprüft werden

Alle privaten Abwasserleitungen eines Grundstücks im Wasserschutzgebiet müssen auf Zustand und Funktion überprüft werden. Zum privaten Abwassersystem gehören im Erdreich verlegte Leitungen sowie zugehörige Einsteigeschächte und Inspektionsöffnungen. Dazu zählt auch die sog. Grundstücksanschlussleitung. Dies ist die Leitung von der Grundstücksgrenze (bzw. dem Einstiegsschacht) bis zum öffentlichen Kanal. Einige Kommunen regeln in ihrer örtlichen Entwässerungssatzung, dass auch die Grundstücksanschlussleitung geprüft werden muss. Ob das bei Ihnen der Fall ist, erfahren Sie in Ihrer Stadt/Gemeinde oder bei uns.

Müssen reine Regenwasserleitungen überprüft werden?
Nein. Reine Regenwasserleitungen sind von der gesetzlichen Regelung nicht erfasst. Es liegt in der Eigenverantwortung der Grundstückseigentümer/-innen, den Zustand der Niederschlagswasserleitung, ihre Funktionsfähigkeit und ihren Betrieb zu überwachen. Denn undichte oder falsch angeschlossene Leitungen führen häufig zu Gebäudevernässungen und können den Wert Ihrer Immobilie mindern.

Es gibt zwei verschiedene Abwasser-Systeme

Unterschieden wird zwischen einem Trenn- oder Mischsystem. Beim Mischsystem werden Niederschlagswasser und Schmutzwasser zusammen in einer Leitung in den öffentlichen Kanal abgeleitet. Beim Trennsystem werden Schmutzwasser und Niederschlagswasser über getrennte Leitungen in den öffentlichen Kanal abgeleitet.

Wahl des Prüfverfahrens

Für die Überprüfung der Abwasserleitungen gibt es diese gültigen Verfahren, die wir Ihnen weiter unten erklären:

  • Optische Inspektion
  • Vereinfachte Dichtheitsprüfung
  • Dichtheitsprüfung

Optische Inspektion (auch Kanal-TV-Untersuchung genannt)

Für die optische Inspektion gibt es spezielle Kameras, die auch verzweigte Abwasserleitungen untersuchen können. Diese Kameras werden vom Einsteigeschacht oder von der Inspektionsöffnung aus eingesetzt, die sich auf Ihrem Grundstück befinden. Einige Kameras können zeitgleich eine Lageplanskizze der untersuchten Leitungen anfertigen. Die optische Inspektion ist das gängigste Verfahren, da es in Wasserschutzgebieten der Zone 3 angewendet wird in dem die meisten Häuser stehen.

Wann kommt das Verfahren zum Einsatz?
In der Regel wird dieses Verfahren im Wasserschutzgebiet III bei bereits bestehenden Leitungen angewendet. Dies gilt auch für Wiederholungsprüfungen.
Für Grundstücke in Wasserschutzgebiet I und II und bei neu verlegten Abwasserleitungen gelten andere Regeln (s.u.).

Vereinfachte Dichtheitsprüfung (kurz "DR 2" genannt)

Für die vereinfachte Dichtheitsprüfung (nach DIN 1986-30) werden die zu überprüfenden Leitungen mit Wasser befüllt. Entweicht dann aus den Rohren innerhalb eines vorgeschriebenen Zeitraums mehr Wasser als erlaubt, sind die Leitungen undicht. Alternativ kann die Prüfung auch mit Luftdruck durchgeführt werden.

Wann kommt das Verfahren zum Einsatz?
In der Regel wird es bei Grundstücken in den Wasserschutzgebieten I und II angewendet.
Auch bei wesentlichen Änderungen der Abwasserleitungen wird die vereinfachte Dichtheitsprüfung im Anschluss an die Reparatur (Sanierung) eingesetzt.

Dichtheitsprüfung (kurz "DR 1" genannt)

Dieser Prüfung muss (nach DIN EN 1610) immer erst eine optische Inspektion (s.o.) vorangegangen sein. Anschließend werden die Abwasserleitungen mit Wasserdruck oder Luftüberdruck untersucht. Hierzu werden die zu überprüfenden Rohre mit Absperrblasen verschlossen und entsprechend befüllt. Bleibt der Wasser- oder Druckverlust im Rahmen der zulässigen Toleranz, gilt die Leitung als dicht.

Wann kommt das Verfahren zum Einsatz?
In der Regel wird es bei Grundstücken in Wasserschutzgebiet I und II angewendet. Aber auch nach Errichtung, Neubau, Totalumbau, Renovierung oder Erneuerung (Sanierung) der Abwasseranlage wird diese Dichtheitsprüfung eingesetzt: In diesen Fällen muss die Prüfung unverzüglich nach Fertigstellung der Arbeiten erfolgen – unabhängig davon, ob die Immobilie im Wasserschutzgebiet liegt oder nicht.

Bei Fragen zum Einsatz des Prüfverfahrens und zu Wasserschutzgebieten wenden Sie sich an uns oder an Ihre Stadt oder Gemeinde.

Tipp: Wenn bei der optischen Inspektion bereits Schäden erkennbar sind, kann auf die weitergehende Prüfung verzichtet und sofort saniert werden! Im Anschluss an die Reparatur wird dann die erforderliche Dichtheitsprüfung durchgeführt.

Gefördert durch:Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen