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Betroffen! Was nun?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Jeder Grundstückseigentümer muss seine Abwasserleitungen selbst überwachen.
  • Prüfpflichten und -fristen regelt eine Verordnung.
  • Eine durchschnittliche Prüfung kostet zwischen 300 und 600 Euro.
  • Nur anerkannte Sachkundige dürfen die Prüfung durchführen.
  • Achten Sie auf eine gute Dokumentation der Prüfung.
  • Je nach Schaden gibt es unterschiedliche Sanierungsfristen.
Hinweisschild für Kanalarbeiten
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Mit der Zustands- und Funktionsprüfung (früher: Dichtheitsprüfung) wird kontrolliert, ob die Abwasserleitungen im Erdreich dicht sind. In welchen Fällen öffentliche und private Entwässerungssysteme geprüft werden müssen, regelt die Selbstüberwachungsverordnung Abwasser. In ihr sind auch die Fristen festgelegt, zu denen geprüft werden muss. Die Stadt oder die Gemeinde kann ergänzend in den Fällen, in denen die Verordnung keine Frist zur Prüfung vorsieht, diese per Satzung selbst festlegen.

Welche Fristen muss ich beachten?

Wer von der Pflicht zur Überprüfung seiner Abwasserleitungen betroffen ist, muss verschiedene Fristen beachten.

  • Nach Neubau, wesentlicher Änderung oder Sanierung der bestehenden Abwasseranlage: unverzüglich vor Inbetriebnahme
  • Bestehende Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten, die nach dem 01.01.1965 erbaut wurden, müssen bis zum 31.12.2020 geprüft werden.
  • Vor dem 01.01.1965 erbaute Leitungen hätten bis zum 31.12.2015 geprüft werden müssen
  • Außerhalb von Wasserschutzgebieten: wenn die Gemeinde dies in ihrer Satzung festlegt
  • Nach Festsetzung eines Wasserschutzgebietes: innerhalb von 7 Jahren
  • Als Wiederholungsprüfung: in allen Fällen muss die Prüfung alle 30 Jahre wiederholt werden
Was kostet eine Zustands- und Funktionsprüfung?

Zwischen 300 und 600 Euro betragen in der Regel die Kosten der Leitungsprüfung eines Einfamilienhauses – wenn das Leitungsnetz nicht allzu weit verzweigt ist. Unsere Tipps:

  • Fordern Sie mindestens drei Kostenvoranschläge von Fachbetrieben mit anerkannten Sachkundigen an. Achten Sie dabei darauf, dass im Angebot alle Leistungen, wie z.B. Reinigung und vollständige Dokumentation, enthalten sind.
  • Gibt es Nachbarn, die ebenfalls prüfen möchten? Dies kann Anfahrtskosten sparen!
  • Fragen Sie Ihre Gemeinde, ob in Ihrer Straße in näherer Zukunft Arbeiten am öffentlichen Kanal geplant sind. Unter Umständen können dann Ihre Abwasserleitungen kostensparend mitgeprüft werden.
  • Setzen Sie als privater Grundstückseigentümer die Kosten für die Zustands- und Funktionsprüfung in Ihrer Steuererklärung ab. 20 % des Rechnungsbetrages (bis maximal 1.200 €) können geltend gemacht werden. Das Finanzamt will einen Überweisungsbeleg oder einen Kontoauszug sowie die Rechnung sehen, Barzahlung wird nicht akzeptiert.

Die Kosten für die Zustands- und Funktionsprüfung sind stark von der Grundstückssituation abhängig: Die Leitungslänge, Verzweigungen und die Zugänglichkeit der Leitungen beeinflussen den Preis maßgeblich. Bei einem weit verzweigten Leitungsnetz sind die Kosten erfahrungsgemäß höher.

Wer darf eine Prüfung durchführen?

Zustands- und Funktionsprüfungen dürfen nur von speziell geschulten, anerkannten Sachkundigen durchgeführt werden. Bei der Suche nach Prüfern in Ihrer Nähe hilft Ihnen die Liste der anerkannten Sachkundigen des Landes NRW.

Obwohl in der Liste des Landes NRW die Fachbetriebe aufgeführt sind, ist es wichtig zu wissen, dass nur die in der Liste genannten Prüfer den Sachkundenachweis besitzen und nur diese die Prüfung durchführen. Falls die Prüfer einer Firma dort nicht aufgeführt sind, erkennt die Stadt bzw. Gemeinde die Zustands- und Funktionsprüfung nicht an.

Achtung: Es gibt Firmen, die mit unseriösen Methoden auf Kundenfang gehen und Ihnen, z.B. an der Haustür, ein vermeintlich günstiges Angebot machen, ohne dass die Prüfer anerkannte Sachkundige sind. Vor solchen "Kanalhaien" ist Vorsicht geboten! Im Zweifel wenden Sie sich an einen Ansprechpartner in Ihrer Stadt oder Gemeinde oder an das Verbrauchertelefon Abwasser der Verbraucherzentrale NRW.

 

 

Wie wird die Prüfung dokumentiert?

Zum Nachweis der ordnungsgemäß durchgeführten Zustands- und Funktionsprüfung gehört eine entsprechende Dokumentation.
Diese besteht aus:

  • Bescheinigung über das Ergebnis des Zustands und der Funktionsfähigkeit privater Abwasserleitungen und zugehöriger Schächte nach Anlage 2 SüwVO Abw
  • Bestandsplan / Lageplanskizze
  • Foto-Dokumentation der Örtlichkeit

Zusätzlich bei optischer Inspektion:

  • CD / DVD mit den Befahrungsvideos
  • Haltungs- /Schachtberichte
  • Bilddokumentation festgestellter Schäden

Zusätzlich bei vereinfachter Dichtheitsprüfung nach DIN 1986-30 ("DR 2") und Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610 ("DR 1"): Prüfprotokolle

Städten und Gemeinden ist es nach der Verordnung freigestellt, ob sie die Prüfbescheinigungen einfordern. Letzteres entbindet die Grundstückseigentümer aber nicht von der Pflicht, die Prüfung durchzuführen. Die Städte können über die Umweltämter die Prüfbescheinigungen nebst Anlagen auch zu einem späteren Zeitpunkt einfordern. Daher sind alle Unterlagen zu Hause sorgfältig aufzubewahren. Es muss nachweisbar sein, dass die Zustands- und Funktionsprüfung in dem rechtlich festgelegten Zeitraum durchgeführt wurde. Schlimmstenfalls kann dieser Verstoß als eine Ordnungswidrigkeit angesehen und mit einem Bußgeld geahndet werden.

Was ist für die Sanierung zu beachten?

Sie müssen Schäden an Ihren Abwasserleitungen innerhalb bestimmter Fristen (s. oben) beheben. Eine Sanierung kann eine Erneuerung, eine Reparatur oder eine Renovierung der Abwasserleitung  bedeuten. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die in offener oder geschlossener Bauweise durchgeführt werden, wobei Sanierungen in geschlossener Bauweise oftmals mit geringeren Kosten verbunden sind. Zusammengebrochene Rohre müssen Sie auf jeden Fall erneuern.

Schadenseinteilung und Fristen
In der Prüfdokumentation werden von dem anerkannten Sachkundigen die Schäden je nach Schweregrad in die Schadensklassen A bis C eingeteilt: Große Schäden (Klasse A) müssen unverzüglich, das heißt in der Regel innerhalb von sechs Monaten, und mittelgroße Schäden (Klasse B) innerhalb von zehn Jahren saniert werden. Bagatellschäden (Klasse C) brauchen Sie nicht vor der Wiederholungsprüfung nach 30 Jahren zu sanieren.
Hinweis: Die Stadt oder Gemeinde kann Fristen nach eigenem Ermessen im Einzelfall verkürzen oder verlängern.

Wie finde ich einen geeigneten Fachbetrieb?
Je nach Art der Sanierung kommen unterschiedliche Betriebe infrage:

  • Der Leitungsbau in offener Baugrube gehört zum Aufgabenbereich von Tiefbauunternehmen.
  • Sanierungen der Rohre von innen werden von spezialisierten Sanierungsbetrieben ausgeführt.
  • Zugängliche Leitungsinstallationen im Haus gehören zu den Aufgaben der Installateure.
  • Es gibt auch Unternehmen, die die Sanierung in allen drei Bereichen übernehmen.

Tipp: Sanierungsarbeiten sollten sorgfältig geplant werden und erst nach Rücksprache mit der Stadt oder Gemeinde erfolgen. Fragen Sie, ob in naher Zukunft Arbeiten am öffentlichen Abwassersystem geplant sind. So können Sanierungsarbeiten koordiniert werden – das spart Kosten!

Achtung: Der Nachweis, dass ordnungsgemäß saniert worden ist, muss durch eine erneute Zustands- und Funktionsprüfung erfolgen!

Welche Hilfe gibt es bei der Finanzierung?

Die Kosten für eine Sanierung sind abhängig von Art, Lage und Umfang der Schäden und variieren dadurch sehr. Müssen große Bereiche in offener Bauweise saniert werden, können die Kosten auch bei einem Einfamilienhaus mehrere tausend Euro erreichen.

Einige alte Gebäudeversicherungen decken auch die Sanierung von Schäden an den Abwasserleitungen ab. Prüfen Sie Ihren Versicherungsvertrag auf diesen Punkt. Manche Versicherungen bieten Ihnen Neuverträge ohne diesen Zusatz an – gehen Sie nicht darauf ein.

Private Grundstückeigentümer können einen Teil der Sanierungskosten, insbesondere die Handwerkerleistungen, unter der Rubrik "Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen" steuerlich absetzen. 20 % der Kosten werden so direkt von der Steuerschuld abgezogen, maximal allerdings 1.200 Euro. Begünstigt werden nur die Arbeitskosten einschließlich der Fahrtkosten. Das Finanzamt verlangt außer der Rechnung auch einen Überweisungsbeleg oder Kontoauszug, Barzahlung führt zum Verlust des Steuervorteils.

Gefördert durch:Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen